Von Sarah Meier, Krümelzeit-Redaktion · geprüft mit G-BA Kinder-Richtlinie, BZgA, SBE-2-KT (Suchodoletz/Sachse), DGPP-Leitlinie · Mai 2026

Du sitzt im Sprechzimmer. Die Kinderärztin fragt: „Wie viele Wörter sagt er denn so?“ Dann: „Macht er schon Zwei-Wort-Sätze?“ Dann: „Versteht er, wenn du ihm sagst, er soll den Schuh holen?“

Drei Fragen, und alle drei drehen sich um Sprache. Du hast eigentlich gedacht, die U7 ist eine Vorsorge über alles, Wachstum, Motorik, Verhalten, Zähne. Stimmt auch. Aber zuerst kommt fast immer Sprache.

Das ist kein Zufall, und es ist auch kein Zeichen, dass etwas mit deinem Kind nicht stimmt. Es hat einen Grund.

Das Wichtigste in Kürze

Was die U7 eigentlich prüft

Die U7 findet zwischen dem 21. und 24. Lebensmonat statt. Sie dauert 20 bis 30 Minuten und prüft fünf Bereiche.

Bereich Was geprüft wird Womit
Sprache aktiver Wortschatz, Zwei-Wort-Sätze, Sprachverständnis, Zeigegestik Eltern-Fragebogen (SBE-2-KT) und Beobachtung
Motorik sicher laufen, Treppe mit Festhalten, Bauklötze stapeln, Zangengriff kleine Aufgaben im Raum
Verhalten und Soziales Blickkontakt, Nachahmung, Parallel- oder Mitspiel Gespräch mit dir und Beobachtung
Sehen und Hören Grob-Sehtest, Reaktion auf Sprache Standard-Tests
Körperliches Wachstum, Gewicht, Zähne, Impfstatus Messung, Gelbes Heft, Impfpass

Auf allen fünf Bereichen wird geprüft. Aber wenn du dem Termin zuhörst, fällt auf: die Kinderärztin verbringt den Großteil ihrer aktiven Befragungs-Zeit mit Sprache. Bei Motorik schaut sie zu (Kind läuft durch den Raum). Bei Verhalten schaut sie zu (Kind spielt). Bei Wachstum misst sie. Bei Sprache fragt sie konkret nach.

Wer den vollen U7-Ablauf lesen will: U7-Vorsorge mit 2 Jahren, was Kinderärztinnen wirklich prüfen.

Warum Sprache als Leit-Indikator ausgewählt wurde

Sprache mit 24 Monaten ist nicht der wichtigste Entwicklungsbereich. Aber es ist der Bereich, bei dem Abweichungen am frühesten und am klarsten sichtbar werden, und der gleichzeitig den größten Effekt auf alles andere hat.

Drei Gründe, warum die G-BA Kinder-Richtlinie und die DGPP-Leitlinie Sprache so weit nach vorne stellen.

Erstens: Sprache ist messbar. Bei Motorik gibt es eine große Spannbreite, was als normal gilt (manche Kinder laufen mit 11, manche mit 16 Monaten, beides ok). Bei Sprache gibt es klarere Schwellen. 50 aktive Wörter, Zwei-Wort-Sätze, einfache Aufforderungen verstehen. Das lässt sich vergleichen.

Zweitens: Sprache zeigt früh, dass anderes nicht stimmt. Ein Kind, das mit 24 Monaten kaum spricht und wenig versteht, hat häufig ein darunter liegendes Hörproblem, eine motorische Sprechstörung, manchmal Autismus-Spektrum-Anzeichen, manchmal globale Entwicklungsverzögerung. Sprache als auffälligstes Symptom zeigt es zuerst. Andere Bereiche dauern oft länger, bis sie sichtbar werden.

Drittens: Sprache hat den größten Hebel für Schulreife. Studien zeigen sehr konsistent: der Wortschatz mit 3 sagt den Schulerfolg mit 10 stärker voraus als fast jeder andere Marker. Wer früh erkannt wird und früh gefördert wird, hat eine deutlich bessere Chance, später im Schulsystem mitzukommen.

13–20%
Anteil der 2-Jährigen in Deutschland, bei denen bei der U7 ein Sprach-Verdacht festgestellt wird. Etwa die Hälfte davon holt bis zur U7a von selbst auf (Late Bloomer). Die andere Hälfte braucht Logopädie oder weitere Abklärung.Quelle: dbl Versorgungsbericht 2024, Kühn LMU 2014

Die 50-Wörter-Schwelle, was sie heißt und was nicht

Bei der U7 hörst du fast immer die Zahl 50. Manchmal als „ungefähr 50 Wörter“, manchmal als „mindestens 50“. Diese Zahl ist nicht aus der Luft gegriffen, aber sie ist auch keine harte Grenze.

Hintergrund: die DGPP-Leitlinie definiert „Late Talker“ als Kinder, die mit 24 Monaten unter 50 aktive Wörter sprechen oder keine ersten Zwei-Wort-Sätze bilden. Der SBE-2-KT-Fragebogen, mit dem die meisten deutschen Kinderärzt:innen screenen, hat etwas andere Schwellen: unter 13 Wörter mit 21 bis 22 Monaten oder unter 19 Wörter mit 23 bis 24 Monaten gilt als auffällig.

Beide Schwellen sind statistische Cut-offs. Sie heißen nicht: 49 Wörter ist gefährlich, 50 Wörter ist sicher. Sie heißen: unterhalb dieser Schwelle ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich das nicht von selbst auswächst, hoch genug, dass weitergeguckt werden sollte.

Wichtig: „Wörter“ zählen großzügig. Wauwau, Heia, Auto, Mama, Nein, Aua, alles zählt. Auch eigene Wort-Erfindungen („Bibbel“ für Schnuller) zählen, wenn dein Kind das Wort konsequent für eine Sache benutzt.

Verstehen und Sprechen, warum der Unterschied entscheidet

Was viele Eltern überrascht: Verstehen und Sprechen sind nicht gleich. Dein Kind kann mit 24 Monaten 250 Wörter passiv kennen (also verstehen, wenn jemand sie sagt) und nur 50 aktiv sprechen. Das ist die Norm, nicht die Ausnahme.

Wer viel versteht und wenig sagt, ist oft ein Late Bloomer. Die Prognose ist gut. Etwa zwei Drittel dieser Kinder holen den aktiven Wortschatz bis zum 3. Geburtstag auf, ohne Therapie. Bei der U7 ist deshalb die Frage „versteht er einfache Aufforderungen“ fast wichtiger als „wie viele Wörter sagt er“.

Anders ist es, wenn Verständnis und Sprechen beide unter der Schwelle liegen. Wer wenig sagt UND wenig versteht, hat ein höheres Risiko für eine echte Sprachentwicklungsstörung. Das ist die Konstellation, bei der Logopädie meistens nicht warten kann.

Mein Sohn versteht alles, aber sagt fast nichts. Ist das Late Talker oder nicht?

Wenn das Verständnis altersgerecht ist und nur die aktive Sprache hinkt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es sich auswächst. Etwa zwei Drittel dieser Kinder holen bis zum 3. Geburtstag auf. Das heißt nicht: nichts tun. Das heißt: weiter beobachten, weiter sprachlich anregen, bei der U7a noch einmal genau prüfen. Wenn auch das Verständnis hinkt, ist die Lage anders.

Der SBE-2-KT, was die Ärztin mit dem Fragebogen wirklich macht

Wenn die Kinderärztin einen Fragebogen mit ungefähr 60 Wörtern rauslegt, ist das der SBE-2-KT. Er wurde an der LMU München entwickelt (Suchodoletz und Sachse) und ist heute das Standard-Screening-Werkzeug für die U7 in Deutschland.

Du gehst die Wortliste durch und hakst ab, welche Wörter dein Kind in den letzten Wochen aktiv gesagt hat. Es geht nicht um Aussprache. Es geht um: hat es gesagt, in welcher Form auch immer.

Der Score:

Wichtig: der SBE-2-KT ist Screening, nicht Diagnose. Ein auffälliger Score heißt nicht „Sprachstörung“. Er heißt: in 6 bis 12 Wochen wieder vorstellen, in der Zwischenzeit gezielt anregen, eventuell Hörtest, eventuell Vorstellung in der Logopädie.

Hilfreich vor der U7: zähl in den 4 Wochen davor selbst mit. Setz dich einmal pro Woche hin und schreib alle Wörter auf, die dein Kind in der letzten Woche gesagt hat. Eltern unterschätzen oder überschätzen den Wortschatz unter Stress. Eine ehrliche Liste auf Papier ist realistischer als ein Praxis-Snapshot.

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Platzhalter — hier kommt ein Screenshot der sofatutor-Kids-App. Bitte mit echtem Produkt-Foto ersetzen.
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Die Sprach-Themenwelt von sofatutor Kids ist genau für das gebaut, was die Kinderärztin bei der U7 als Erstes hören will: aktiver Wortschatz, Zwei-Wort-Sätze.

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Was zwischen heute und der U7 zuhause hilft

Wenn die U7 noch 4 bis 8 Wochen entfernt ist, kannst du in dieser Zeit konkret etwas tun. Nicht weil das Ergebnis dann „geschönt“ sein soll, sondern weil dein Kind in dieser Phase ohnehin offen ist für Wortschatz-Sprünge.

Begleit-Sprechen. Beim Anziehen, Kochen, Einkaufen alles benennen, was gerade passiert. Klingt seltsam beim ersten Mal, wird normal nach Woche zwei. Wirkt, weil dein Kind die Wörter im Kontext hört.

Expansion statt Korrektur. Kind sagt „Auto kaputt“. Du sagst nicht „es heißt das Auto ist kaputt“. Du sagst: „Ja, das rote Auto ist kaputt, das Rad ist ab.“ Aus einem Wort wird ein Satz.

Vorlesen, täglich 15 Minuten. Wiederholung macht den Wortschatz, nicht Vielfalt. Lies dasselbe Buch mehrmals, statt verschiedene.

Hintergrund-TV aus. Laufender Fernseher reduziert die Sprache der Eltern um bis zu 20 Prozent (Brushe 2024).

Bildschirm-Zeit in den 4 Wochen vor der U7 lieber knapp halten. Nicht weil 30 Minuten Sandmännchen die Sprache kaputt machen, sondern weil aktive Sprache, die jetzt geübt wird, mehr Wert hat als passive Sprache, die jetzt konsumiert wird.

Merk dir eins

Die U7 ist kein Test, den dein Kind besteht oder durchfällt. Sie ist ein Spiegel, der dir zeigt, wo gerade die Aufmerksamkeit hinmuss.

Wenn die U7 auffällig war, was als Nächstes

Wenn der SBE-2-KT auffällig war oder die Kinderärztin „Verdachts-Befund Sprache“ notiert: keine Panik. Konkrete nächste Schritte:

Was du in der Wartezeit selbst tun kannst, ist nicht Plan B, es ist Plan A. Mehr dazu: Logopädie-Wartezeit, 7 Dinge, die du jetzt schon tun kannst.

Der nächste U-Termin folgt mit 34 bis 36 Monaten. Was dort geprüft wird: U7a mit 34 bis 36 Monaten.

Häufige Fragen

Wie viele Wörter sollte mein Kind mit 2 Jahren sprechen können?

Als Faustregel rund 50 aktive Wörter und erste Zwei-Wort-Sätze. Der SBE-2-KT gilt als auffällig bei unter 13 Wörtern mit 21 bis 22 Monaten oder unter 19 Wörtern mit 23 bis 24 Monaten. Großzügig zählen: Wauwau, Heia, Auto, Nein, eigene Wort-Erfindungen, alles zählt.

Mein Kind versteht alles, spricht aber kaum. Normal?

Ein häufiges Muster. Verstehen und Sprechen entwickeln sich nicht parallel. Kinder, die gut verstehen, aber wenig sagen, holen meistens auf. Bei der U7 trotzdem ansprechen.

Liegt eine Sprachverzögerung an der Mehrsprachigkeit?

Nicht automatisch. Mehrsprachige Kinder lernen jede Einzelsprache etwas langsamer. Ihr Gesamtwortschatz über beide Sprachen ist normal. Eine echte Verzögerung zeigt sich in beiden Sprachen. Wenn nur eine Sprache schwächelt, ist das meist ein Input-Thema.

Was passiert nach einem auffälligen SBE-2-KT?

Meistens: Kontrolle in 6 bis 12 Wochen, Hörtest, bei klarem Befund Logopädie-Verordnung. Eine Diagnose stellt die Kinderärztin nicht, das macht später die Logopädin oder das SPZ.

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Anzeige · in eigener Sache: Dieser Artikel ist Teil von Krümelzeit, einem Magazin der sofatutor GmbH. Er enthält redaktionelle Empfehlungen für sofatutor Kids. Die Inhalte folgen unabhängiger Recherche — die Auswahl der vorgestellten Lösung ist werblich. Quellenangaben siehe Fließtext.