Hallöchen, Mamas. Ich schreibe das mit zittrigen Fingern, weil ich es bisher nur in zwei Foren-Threads anonym losgeworden bin. Mein Sohn ist gerade 3 geworden, und er spricht weniger als 30 Wörter. Ich habe sie gezählt. Mehrmals. Ich weiß, wie bekloppt das klingt.
Wenn du hier bist, weißt du genau, was ich meine.
Ich bin Lisa, und ich war 8 Monate im Wort-Zähl-Modus
Wir wohnen in Leipzig, ich bin 33, arbeite halbtags im Büro einer Architekturpraxis. Lukas ist mein zweites Kind. Seine Schwester Hanna ist 5 und hat mit 18 Monaten in ganzen Sätzen geredet, das musst du dazu wissen, sonst klingt der Rest unverhältnismäßig.
Mit 24 Monaten hatte Lukas circa 20 Wörter. Beim U7-Termin hat die Kinderärztin geguckt, kurz nachgefragt, gesagt: „Bei Jungs ist das oft so. Sehen wir uns bei der U7a wieder.“ Ich habe genickt. Ich habe ihr geglaubt. Ich war gleichzeitig erleichtert und nicht beruhigt.
Dann kamen die nächsten 8 Monate. Foren. WhatsApp-Gruppe der Krabbelgruppen-Mamas. Die Schwiegermutter, die sagt „Mein Werner hat auch erst mit 4 angefangen“. Die Erzieherin in der Kita, die zwischen den Zeilen sagt „Sind Sie nicht zu hart?“. Die andere Erzieherin, die zwischen anderen Zeilen sagt „Sollten Sie nicht mal vorstellig werden?“.
Ich habe alles gleichzeitig geglaubt.
Was ich alles probiert habe — und warum nichts wirklich gegriffen hat
Ich war nicht passiv. Ich habe nicht abgewartet. Ich habe ein bisschen ALLES probiert, und ich glaube, das war Teil des Problems.
Mehr Vorlesen. Dachte ich, mehr Input hilft. Ich habe Lukas jeden Abend 20 Minuten Bücher vorgelesen. Er hat geguckt, manchmal getippt. Hat nicht gesprochen. Ich war frustriert, hab mit der Zeit auf 10 Minuten reduziert, dann auf 5.
Babytalk weggemacht. Eine Mama im urbia-Forum hat geschrieben, ich solle aufhören „Hosi“ und „Wauwau“ zu sagen. Hab ich versucht. Hat nichts geändert, außer dass ich mich seltsam gefühlt habe, wenn ich „Hose“ zu meinem 2-Jährigen sage als sei er Erwachsener.
YouTube Kids komplett abgeschafft. Drei Wochen lang. Ergebnis: ich hatte einen frustrierten Lukas, der quengelig durch die Wohnung lief, und ich hatte abends weniger Zeit fürs Vorlesen, weil ich mehr Zeit damit verbracht hatte, ihn zu beschäftigen. Bin wieder eingeknickt.
Vokabel-Karten. Eine Pinterest-Idee. 30 Karten mit Tieren, Fahrzeugen, Essen. Lukas hat sie zwei Tage spannend gefunden, dann nie wieder angefasst.
Logopädin angerufen. Erste Praxis: 8 Monate Wartezeit. Zweite: 6 Monate, aber nur, wenn die Überweisung von der U7a kommt, nicht früher. Dritte: nimmt keine neuen Patienten mehr an. Ich hab aufgehört zu suchen, weil ich das Telefonieren nicht mehr ausgehalten habe.
Mit 2 Jahren und 10 Monaten lag Lukas bei 28 Wörtern. Mit fast 3 immer noch bei 30. Mit der U7a in 4 Wochen hatte ich eine Mischung aus Hoffnung (vielleicht erzählt sie was Klares) und Angst (vielleicht erzählt sie was Klares, und es ist schlimm).
Was die U7a wirklich gesagt hat
Die U7a war ein langer Termin, weil die Kinderärztin sich Zeit genommen hat. Sie hat den SBE-2-KT-Bogen mit mir durchgegangen, gespielt mit Lukas, ihm Bilder gezeigt, ihn Sachen holen lassen. Lukas hat verstanden, was sie wollte. Er hat fast nichts gesagt.
Am Ende hat sie mir gesagt, was ich seit 8 Monaten gewusst und nicht laut ausgesprochen hatte. „Lukas ist auffällig in der aktiven Sprache. Im Verständnis ist er im Korridor. Ich stelle eine Überweisung zur Logopädie aus.“ Pause. „Wartezeit dauert lang. Bis dahin sollten Sie strukturiert dranbleiben.“
Strukturiert dranbleiben. Wie genau.
Ich habe gefragt. Sie hat mir zwei Dinge gesagt, die ich vorher in keinem Forum so klar gelesen hatte.
Erstens: „Das, was Sie machen, ist gut, aber es ist zu viel auf einmal und nichts davon ist regelmäßig. Wählen Sie eine Sache. Machen Sie sie jeden Tag. 8 Wochen lang.“
Zweitens: „Bildschirm in dieser Phase ist nicht per se schlecht. Es kommt darauf an, was läuft. Ein passives YouTube-Video ist Sprach-Diebstahl. Eine ruhige Sprach-App mit Reimen und Wiederholungen kann eine Brücke sein. Hauptsache, Sie sind dabei und antworten auf das, was Lukas zeigt.“
Eine Sache. Jeden Tag. Das war neu.
Was ich dann gemacht habe (und was eine Freundin mir gezeigt hat)
Drei Tage nach der U7a hat eine Freundin aus der Kita-Eltern-Gruppe — Karo, deren Tochter genau wie Lukas spät spricht — mir kurz im Café ihr Telefon gezeigt. „Schau mal, das mache ich seit 5 Wochen mit Mia. Macht uns das Leben leichter.“
Es war eine Lern-App für 2- bis 6-Jährige. sofatutor Kids. Ruhige Erwachsenenstimme, deutsche Reime, kurze Hörgeschichten. Kein Autoplay, keine Werbung. Mia saß daneben in der Trage und hat einen Reim mitgesummt. Ich kannte den Reim. Es war „Die Eichkätzchen, die Eichkätzchen“. Mia hatte mit der Eichkätzchen-Folge angefangen und konnte nach drei Wochen das ganze Lied.
Ich habe runtergeladen.
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Ehrlich gesagt, ich war erstmal skeptisch. Ich hatte schon zwei Lern-Apps probiert, die wir dann nach einer Woche gelöscht haben, weil Lukas null Interesse hatte. Aber die 30 Tage gratis war das Argument, weshalb ich gedacht habe: probier es einfach.
Was in den ersten 8 Wochen wirklich passiert ist
Woche 1 und 2. Lukas hat in den ersten Tagen jeweils 5 bis 7 Minuten geguckt, dann sich wieder anderem zugewendet. Ich habe nicht gepusht. Er hat den Reim mit den Eichkätzchen gemocht. Hat ihn am dritten Tag selbst mit „noch mal“ verlangt. Das war übrigens das erste neue Wort seit ungefähr 6 Wochen.
Ich saß daneben. Ich habe mitgesummt. Ich habe nachgesprochen, was er versucht hat. Ich habe nicht korrigiert. Wenn er „Eich“ sagte statt „Eichkätzchen“, habe ich freundlich gesagt „Genau, Eichkätzchen!“ und weiter gemacht.
Woche 3 und 4. Lukas hat angefangen, von sich aus die App zu wollen. Vor dem Mittagsschlaf, manchmal nach dem Frühstück. Er hatte zwei Routinen aufgebaut: 10 Minuten Reim-Sektion, dann eine kurze Hörgeschichte über einen Bagger. Er hat zum ersten Mal das Wort „Bagger“ gesagt. Mit drei verschiedenen Aussprachen, aber gesagt.
Zähle ich gerade die Wörter wieder? Ja. Diesmal mit ein bisschen Hoffnung.
Woche 5 und 6. Lukas hatte mit der App eine Routine, mit mir eine Routine. Wir haben morgens beim Anziehen kommentiert („jetzt der linke Fuß, jetzt der rechte“), wir haben beim Mittagessen drei offene Sätze gehabt, wir haben zwei Bücher abends wieder durchgemacht, dieselben jeden Abend. Lukas hat angefangen, Sätze in der Reim-Sektion mitzusprechen. Erst nur Endworte. Dann ganze Zeilen.
Mit Woche 6 bin ich auf 52 aktive Wörter gekommen. Von 30 auf 52. Lukas hat erste Zwei-Wort-Sätze gebaut, die nicht von einem Buch waren: „Mama Bagger“. „Mehr Reim“. „Nein, Hanna.“ Ich habe geheult beim Wort-Aufschreiben.
Woche 7 und 8. Konsolidierung. Keine großen Sprünge, aber die neuen Wörter sind geblieben. Zwei-Wort-Sätze sind häufiger geworden, manchmal mit echtem Inhalt: „Papa weg“ wenn der Papa zur Arbeit ist. „Auto kaputt“ als sein Spielzeug-Bagger das Vorderrad verloren hat.
Ich war nach 8 Wochen nicht in der „Lukas spricht jetzt komplett normal“-Welt. Ich war in der „Lukas bewegt sich“-Welt. Das war alles, was ich brauchte.
Wo wir heute sind
Lukas ist jetzt 3 Jahre und 2 Monate. Der Logopädie-Termin kommt im Spätsommer. Wir machen die App weiter, die Anker im Alltag weiter. Er ist bei rund 80 aktiven Wörtern und baut regelmäßig Zwei-Wort-Sätze. Drei-Wort-Sätze kommen vereinzelt.
Ich bin nicht naiv. Ich weiß, dass das Plateau wiederkommen kann. Ich weiß, dass die Logopädie wichtig wird. Ich weiß, dass Lukas vielleicht zu den 50 Prozent gehört, die nicht von alleine aufholen.
Was ich heute weiß, was ich vorher nicht wusste: nicht abwarten. Die 6 bis 9 Monate Logopädie-Wartezeit sind keine Wartezeit. Sie sind die Zeit, in der dein Kind den meisten Wortschatz aufbaut.
Wenn du gerade da bist, wo ich vor 4 Monaten war: hör auf, alles gleichzeitig zu probieren. Such dir eine Sache, mach sie 8 Wochen jeden Tag. Egal welche. Bei uns waren es die Reime in der App, die Karo mir gezeigt hat. Bei dir kann es ein Hörbuch sein, eine Tonie-Box, ein Buch das ihr 50 Mal lest, oder dieselbe App, die bei Lukas funktioniert hat.
Was am Ende zählt, ist nicht die Methode. Es ist die Wiederholung.
Eine Sache. Jeden Tag. 8 Wochen. Und das Gefühl, dass die Wartezeit nicht verloren ist.
Was ich rückblickend anders gemacht hätte
Wenn ich heute mit der 24-Monate-Lisa von damals reden könnte, wären das die drei Sachen, die ich mir gerne früher gesagt hätte.
Erstens: die Überweisung zur Logopädie schon mit 24 Monaten holen, auch wenn die Kinderärztin abwiegelt. Höflich bestehen. 6 Monate Wartezeit verlierst du sonst.
Zweitens: nicht 5 Sachen gleichzeitig probieren. Eine wählen. Dranbleiben. Erst nach 6 bis 8 Wochen wechseln, wenn nichts greift.
Drittens: Wenn du Bildschirm nutzt, achte auf das „Was“. YouTube Kids ist Sprach-Diebstahl, das hat die Kinderärztin gesagt und es stimmt, ich hab das vorher nie so klar gehört. Eine ruhige App mit Reimen und Wiederholung ist eine Brücke. Tonies sind eine Brücke. Hörbücher sind eine Brücke. Schnitt-getrieben Video ist keine.
Wenn du den breiten Hintergrund willst, was Sprachverzögerung wirklich heißt und welche Therapie-Optionen es gibt: Der komplette Eltern-Guide. Wenn dein Kind nicht 3 ist, sondern erst 2 und du nicht weißt, ob du schon handeln solltest: Spricht mit 2 noch nicht — wann es normal ist.
Ich wünsche dir, dass es bei deinem Kind die hoffnungsvolle Hälfte ist. Egal wie: nicht warten ist immer richtig.
Die App, die bei Lukas funktioniert hat
sofatutor Kids, 30 Tage gratis. Werbefrei, kein Autoplay, ruhige Erwachsenenstimme, deutsche Reime, kurze Hörgeschichten. Für 2- bis 6-Jährige entwickelt. Wenn es bei dir nichts ist, kündigst du. Mehr als 30 Tage verlierst du nicht.
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Anzeige · in eigener Sache: Dieser Artikel ist Teil von Krümelzeit, einem Magazin der sofatutor GmbH. Er enthält redaktionelle Empfehlungen für sofatutor Kids. Die Inhalte folgen unabhängiger Recherche — die Auswahl der vorgestellten Lösung ist werblich. Quellenangaben siehe Fließtext.

